• Schrift vergrößern
  • Schrift vergrößern
  • Standard wiederherstellen
  • Schrift verkleinern
  • Schrift verkleinern

Gehört der Islam zu Deutschland?

Islam_gehrt_zu_Deutschland

Unmittelbar nach seinem Amtsantritt erhitzte der neue Bundesinnenminister Hans-Peter-Friedrich (CSU) mit der Aussage: "Dass der Islam zu Deutschland gehört, ist eine Tatsache, die sich auch aus der Historie nirgends belegen lässt." [1], die Gemüter. Bei diesem Thema scheiden sich die Geister. Während Bundespräsident Christian Wulff (CDU) der Meinung ist, dass der Islam mittlerweile ebenso zu Deutschland gehört wie das Christen- und Judentum [2], wollen viele Konservative diese Meinung nicht akzeptieren.

Es sei historisch gesehen nicht belegbar, dass der Islam zu Deutschland gehöre [3]. Dieses Argument darf man ruhig gelten lassen, da der Islam historisch gesehen keine Rolle in Westeuropa spielte. Die europäischen Werte und Normen basieren auf der christlich-jüdischen Kultur, die Menschenrechte sagen grob gesehen nichts anderes aus als die 10 Gebote.

Historisch betrachtet gehört der Islam keineswegs zu Deutschland, doch wie sieht es in der Gegenwart aus?


Weiterlesen...

Zukunft gestalten – Die junge Generation denkt Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt

Bundesinnenministerium und Bertelsmann Stiftung laden junge Erwachsene ein, Ideen für das Zusammenleben in Deutschland zu entwickeln

Weiterlesen...

MiU lud zum Fastenbrechen ein

11667054 10206511616526235 1993531624 n 11692846 10206511618126275 695162925 n 11651006 10206511617366256 1341644078 n
 
11653422 10206511617006247 597411267 n 11655073 10206511615766216 526264134 n 11655126 10206511617526260 1715552285 n
 
 
Wir brauchen eine stärkere Gemeinschaft und ein größeres WIR Gefühl
 
Anlässlich des islamischen Fastenmonats Ramadan, veranstaltete der Arbeitskreis
„Migranten in der Union“ (MiU Vielfalt & Werte) der CDU-Essen ein Fastenbrechen, zu der
die Essener Migrantenorganisationen in die Räumlichkeiten der Türkisch-Islamischen
DITIB Gemeinde in Essen-Altenessen eingeladen wurden, um den gegenseitigen Dialog,
die Begegnung und das Miteinander in Essen zu fördern.
 
Über 60 Personen aus verschiedenen Kulturen und Religionsgemeinschaften folgten der
Einladung zum gemeinsamen interreligiösen Fastenbrechen im Essener Norden.
Durch den Abend führte der Vorsitzende der „Migranten in der Union“ Sadik Cicin.
Seine Sicht auf das Thema legte er wie folgt dar: „Für uns als Essener mit
Migrationshintergrund, insbesondere mit muslimischem Glauben, ist es sehr wertvoll,
genau zu solchen Begegnungen eingeladen zu werden, weil das eine Anerkennung und
Wertschätzung ist. Diese Veranstaltung stellt ein Signal dar, dass Muslime auch ein Teil
des Lebens in Essen sind.“ Hierzu ergänzte er: „Genau diese Veranstaltungen schaffen
eine bunte und starke Gemeinschaft, ein stärkeres "WIR"-Gefühl. Bei unserem heutigen
Iftar-Essen geht es nicht nur um das gemeinsame Essen, sondern vielmehr um den
Dialog verschiedener Kulturen und Religionsgemeinschaften, um den Austausch, die
Begegnung und das Miteinander in Essen weiter voran zu bringen.“
 
Mit dabei war auch der vor kurzem gewählte Kreisvorsitzende der CDU Essen,
Matthias Hauer MdB, der die Anwesenden begrüßte: „Das Fastenbrechen ist oft mit
Einladungen an Freunde und Familie, an Kolleginnen und Kollegen sowie Nachbarn
verbunden. Es bietet eine gute Gelegenheit, dass auch religiös unterschiedlich geprägte
Menschen aufeinander zugehen, Kontakt knüpfen und mehr voneinander erfahren. Essen
braucht muslimische Gemeinden, die sich der ganzen Stadtgesellschaft öffnen, sich
einbringen und in guter Nachbarschaft leben und arbeiten. Wir brauchen die Muslime in
Essen auch als aktive Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt.“
 
Thomas Kufen, Oberbürgermeisterkandidat der CDU Essen, hielt ebenfalls ein Grußwort
und betonte: „Die Integration von Bürgerinnen und Bürgern mit Zuwanderungsgeschichte
in unsere Stadtgesellschaft ist eine der wichtigsten gesellschaftspolitischen Aufgaben
unserer Zeit. Integration setzt Begegnung und Kontakt voraus. Das Fastenbrechen ist eine
gute Gelegenheit, um sich näher kennenzulernen und mehr von der muslimischen Kultur
und dem Leben in den muslimischen Gemeinden zu erfahren. Engagierte muslimische
Gemeinden, die das Miteinander fördern sind ein wesentlicher Bestandteil in und für
unsere Stadt.“
 
Muhammet Balaban, Vorsitzender des Essener Verbundes der Immigrantenvereine,
referierte über das Verständnis des Fastens in Essen: "Das Fasten im Sommer bringt
Verantwortung gegenüber Kindern und Nachbarn mit sich. Kinder fasten erst nach der
Pubertät, die mögliche Mutprobe ist zu unterbinden, weil sie ihren schulischen Pflichten
sonst nicht nachkommen können. Rücksicht auf Nachbarn hat hohe Priorität, weil das
Essen zur Morgendämmerung und zum Sonnenuntergang zeitlich so liegt, dass die
Nachbarn gleichzeitig schlafen möchten. Im Koran wird in der Sure 2 und Ayet 183-185
das Fasten ausführlich beschrieben, Muslime treten zum Ende des Ramadan innerlich
gestärkt und frommer in einen neuen Lebensabschnitt."
 
Nach dem Ezan – dem Gebetruf des Imams, des Vorbeters der Gemeinde – begangen
die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Fastenbrechen mit Datteln und Wasser.
„Das erste Mal, dass ein Essener CDU-Arbeitskreis zum Fastenbrechen in eine
islamische Gemeinde eingeladen hat, war eine schöne und gut besuchte Veranstaltung
mit erfolgreichen Begegnungen und einem guten Miteinander“ resümiert Sadik Cicin, der
sich bereits auf nächstes Jahr freut.
 
11655133 10206511617926270 2036107225 n 11657288 10206511617766266 1804120107 n 11647232 10206511617686264 1814646625 n
 
11121014 10206511618206277 1952980443 n 11694297 10206511618366281 1237550348 n 11696665 10206511617606262 205251650 n

"Ich möchte Brücken bauen."

1962745 1430392343866270 1886898387 n"Ich möchte Brücken bauen", sagt Serdar Duran (26). Er kandidiert am 16. März 2014 auf der CSU-Liste, Platz 30 für den Stadtrat in München. Der gebürtige Münchner ist seit einem Jahr Vorsitzender der Jungen Union in Allach-Untermenzing. Dergelernte Versicherungs- und Finanzkaufmann ist seit drei Jahren verheiratet und leitet die Arbeitsgemeinschaft Integration und Inklusion des JU Bezirksverbands München. "München ist nicht nur für mich, sondern inzwischen auch für zehntausende Menschen mit Migrationshintergrund eine neue Heimat. Mein Motto: Das Miteinander beleben, gemeinsam und aktiv“, sagt der türkischstämmige Kandidat. Die CSU München kämpft für einen Wechsel im Rathaus mit Josef Schmid an der Spitze und einer starken Fraktion im Stadtrat. Duran wäre der erste türkischstämmige und jüngste CSU-Stadtrat. Wir als MiU unterstützen gerne seine Kandidatur.

50 Jahre Koreaner in Deutschland – Eine lautlose und unsichtbare Minderheit feiert ihr Jubiläum

1503700 10153556444180567 1059595491 nHeute am 16. Dezember 2013 jährt sich das 50-jährige Jubiläum des deutsch-koreanischen Anwerbeabkommens. Das „Programm zur vorübergehenden Beschäftigung koreanischer Bergarbeiter im westdeutschen Steinkohlenbergbau“ legte den Grundstein für eine intensive koreanische Migration nach Deutschland. Das Interesse im Land meiner Eltern ist enorm. Bereits zwei prominente koreanische Fernsehsender (KBS und MBC) kamen nach Deutschland um Dokumentarfilme über das Ereignis zu filmen, die zur besten Sendezeit ausgestrahlt wurden. Selbst die einflussreichen Tageszeitungen wie Chosun oder JoongAng Ilbo berichteten. Das koreanische Nationalmuseum für Geschichte widmete eine Sektion für die ehemaligen Krankenschwester und Bergarbeiter um diesen Teil ihrer Geschichte niemals zu vergessen. Das Goethe Institut in Seoul organisierte ein Symposium mit dem Titel „Von der stillen Migration zur multikulturellen Gesellschaft“ zu der ich eingeladen wurde einen Vortrag zu halten. Unter den Referenten war die koreanische Parlamentariern mit philippinischen Wurzeln Jasmine Lee und auch der ehemalige koreanische Bergarbeiter, Kwon Yi-chong, der nach seiner Tätigkeit Untertage Professor wurde und den Verein der nach Deutschland entsandten Bergleute und Krankenschwestern gründete.

1481157 10153556444185567 1306571589 nDie Besonderheit der „stillen“ Migration lag darin, dass die Anwerbepolitik der Bundesregierung sich eigentlich gezielt auf südeuropäische und damit kulturell nahe „Gastarbeiter“ aus dem Mittelmeerraum richtete. Die Bundesregierung scheute sich vor dem hohen finanziellen Aufwand der koreanischen Praktikanten, sowie der großen kulturellen Differenzen und lehnte demzufolge eine Entsendung ab. Obwohl die Bundesregierung zwischen 1957 und 1965 rund 436 japanische Bergarbeiter beschäftigte. Es war schließlich der Druck der Bergbauindustrie, die händeringend nach Arbeitskräften  suchte. So wurde aus der anfänglichen politischen Ablehnung eine wirtschaftliche Akzeptanz.

Das Programm zur vorübergehenden Beschäftigung koreanischer Bergarbeiter im westdeutschen Steinkohlenbergbau aus dem Jahr 1963 umfasst 21 Artikel, die die Anwerbung koreanischer Bergarbeiter streng reglementierte. Gleich in Artikel 1 wird das Ziel der Anwerbung erklärt, nämlich „die beruflichen Kenntnisse der koreanischen Bergarbeiter zu erweitern und zu vervollkommnen“. Diese Regelung kommt den Koreanern im Jahr der Ölkrise (1973) und den Anwerbestopp von Migranten zu Gute. Denn die Anwerbung koreanischer Bergarbeiter wurde als „technische Entwicklungshilfe“ eingestuft.

Der damalige Arbeitsminister, Walter Arendt (SPD), selber Sohn eines Bergarbeiters, hält an der weiteren Anwerbung von koreanischen Bergarbeitern mit der Begründung fest, dass er sie wegen der „entwicklungspolitischen Zielsetzung […] für vertretbar hält“.

1501990 10153556444190567 1380459278 nSein Nachfolger, Herbert Ehrenberg (SPD) hingegen befürchtete, dass die Zulassung von weiteren koreanischen Bergarbeitern den Anwerbestopp aufweichen könnte und „sich andere Wirtschaftsbereiche, in denen ebenfalls personelle Engpässe auftreten, auf die Zulassung von Koreanern für den Bergbau berufen könnten mit der Folge, dass der Anwerbestopp in nicht vertretbarer Weise unterlaufen würde“.

Doch der mächtige Bergbaukonzern, die Ruhrkohle AG setzt sich mit seiner Forderung durch weitere koreanische Bergarbeiter anzuwerben. Im zweiten Programm über die Beschäftigung koreanischer Bergarbeiter, vom 18. Februar 1970, wurde festgelegt, dass „bis zu 2.000“ neue Kumpel eingestellt werden können. Die Ruhrkohle AG begründete ihre Forderung damit, dass die koreanischen Bergarbeiter:  „ausschließlich für den Kohlenabbau in steilgelagerten Flözen eingesetzt werden. Wegen der dort noch überwiegend vorherrschenden Handarbeit und der geringen Flözmächtigkeiten sind besonders handwerkliche Befähigungen und eine erhöhte körperliche Wendigkeit unabdingbare Eignungsvoraussetzungen. Diese zur Sicherung des Betriebsablaufs und zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit unserer Schachtanlage Ewald unbedingt erforderlichen Arbeitskräfte sind leider vom heimischen Arbeitsmarkt nicht zu bekommen“. Im Oktober 1974 fordert der Gesamtverband des deutschen Steinkohlebergbaus, die „festgesetzte Zahl von 2.000 koreanischen Bergarbeitern“ vorübergehend „geringfügig“ zu überschreiten. Dieser Forderung kommt die Bundesregierung nach.

Ein Jahr zuvor, im Januar 1973 wird der koreanische Bergarbeiter Chung Kyung-sup grubenuntauglich. Chung wird von seinem Arbeitgeber, der Bergbauverein EBV, fristlos gekündigt, mit der Begründung, dass die vereinbarte Tätigkeit, ausschließlich auf eine Beschäftigung Untertage beschränkt war. Die „Grubenuntauglichkeit“ wurde bei Vertragsabschluss nicht berücksichtigt. Der SPD-Politiker Hermann Dürr erwirkt durch sein Engagement, dass koreanische Bergarbeiter, die innerhalb ihres dreijährigen Arbeitsvertrages „grubenuntauglich“ werden, eine Tätigkeit „Übertage“ annehmen dürfen.

Vier Jahre später, im Mai 1977, 14 Jahre nach Abschluss des ersten Anwerbeabkommens kommt der Arbeitsminister auf die Idee, die Reintegration heimkehrender koreanischer Bergarbeiter zu hinterfragen. Die Zahlen liefert ihm der KODCO-Präsident Dr. Suh In-soo und die sind alles andere als erfreulich. Von den 3.920 zurückgekehrten koreanischen arbeiteten nur noch 260 Personen weiter im Bergbau. Die restlichen 3.660 haben sich mit den DM-Ersparnissen in Korea selbständig gemacht z.B. als Taxifahrer mit eigenem PKW oder als Inhaber eines Geschäftes.

Das Ziel der „technischen Entwicklungshilfe“ und „die beruflichen Kenntnisse der koreanischen Bergarbeiter zu erweitern und zu vervollkommnen“ wurde gänzlich verfehlt.

MiU gratuliert Yunus Emre

yunusMainzer CDU hat gestern die Liste für die Kommunalwahlen aufgestellt. Dabei wurde auch der Landessprecher des Netzwerks Integration der CDU Rheinland-Pfalz, Yunus Emre , gewählt.

Zu seiner Wahl gratuliert der MiU – Vorsitzender Dr. Andreas Wojcik: „Wir freuen uns sehr darüber, dass die Mainzer CDU einen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte aufgestellt hat. Es ist ein positives Zeichen in die richtige Richtung. Yunus Emre hat gute Aussichten für den Einzug in den Mainzer Stadtrat. Er ist ein Mainzer durch und durch.“

Yunus Emre, langjähriger CDU Mitglied, ist nicht nur in Rheinland-Pfalz bekannt. Er ist Mitglied im Bundesnetzwerk Integration der CDU, wo er seine Heimat vertritt. Außerdem beteiligt er sich aktiv in mehreren Foren der Konrad Adenauer Stiftung. 

 

Vielfalt ist unser Reichtum

MiU TeilnehmerLebhaft und stimmungsvoll ging es bei der konstituierenden Sitzung des Arbeitskreises „Migranten in der Union“ (MiU) im Essener Rathaus zu. Über 30 Personen folgten der Einladung zur Gründung des neuen Gremiums und bildeten die große Spannbreite des Arbeitskreises ab. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen hatten verschiedenste kulturelle (albanisch, eritreisch, irakisch, libanesisch, marokkanisch, nigerianisch, polnisch, syrisch und türkisch) und religiöse (christlich, islamisch und jüdisch) Hintergründe und belebten die Debatte mit vielen Beiträgen und Impulsen.
 
Durch den Abend führte der Vorsitzende des Arbeitskreises Sadik Cicin. Seine Sicht auf das Thema Integration legte er wie folgt dar: „Integration ist eines der wichtigsten Zukunftsthemen und Herausforderungen für unsere Kommune und unsere Stadtgesellschaft. Wir brauchen eine neue Willkommens- und Anerkennungskultur“ Hierzu ergänzte er: „Deswegen ist es wichtig nicht übereinander, sondern miteinander zu reden.
 
Denn unsere Vielfalt ist unser Reichtum. Diesem Dialogprinzip folgend werden wir in unserem Arbeitskreis neue Themen erarbeiten und damit mehr Beteiligungsmöglichkeiten für die Menschen mit Migrationshintergrund und Nicht-Parteimitglieder sowie an Integrationspolitik Interessierte schaffen, damit Menschen mit Migrationshintergrund sich noch stärker in Politik und Gesellschaft einbringen können.MiU mit Herr Britz
 
Mit dabei war auch der Kreisvorsitzende der CDU Essen, Franz Josef Britz, der die Anwesenden begrüßte: „Ich freue mich, dass unser neuer Arbeitskreis ‚Migranten in der Union‘ interkulturell und so bunt ist. Wenn wir in der CDU Vielfalt glaubwürdig zeigen wollen, brauchen wir Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“ Herr Dr. Andreas Wojcik (Vorsitzender der Migranten in der Union und Gründer dieser Organisation) referierte über Entstehung, Geschichte und Ziele: „Die Migranten in der Union sehen die gesellschaftliche und politische Integration als die große Herausforderung und Schlüsselaufgabe für Politik und Gesellschaft.“
 
Der Vorstand der Essener MiU besteht aus folgenden Mitgliedern:
Sadik Cicin (Türkei)
Elias Bou Malhab (Libanon)
Katarzyna Prusaczyk (Polen)
Hicham El-Founti (Marokko)
Michael Tesfai (Eritreisch)
Sevgi Gelin (Türkei)
Adib Matty (Irak)
Alina Chouity (Libanon)
Jamil Soro (Syrien)
 
Dank der gelungenen Veranstaltung konnte der Arbeitskreis direkt am Gründungsabend 15 Mitglieder gewinnen. „Für die inhaltliche Arbeit in den kommenden Monaten war dies ein erfolgreicher, lebhafter Startschuss“ resümiert Sadik Cicin, der sich bereits auf die folgenden Veranstaltungen freut.

MiU Vorstand

50 Jahre marokkanische Migration in Deutschland

LOGO-50-Jahre-marokkanische-MigrationUm den Anforderungen des Arbeitsmarktes im Nachkriegsdeutschland gerecht zu werden und das deutsche „Wirtschaftswunder“ aufrechtzuerhalten, unterzeichneten die Bundesregierung und die Regierung des Königreiches Marokko am 21.05.1963 das deutsch-marokkanische Anwerbeabkommen über die „vorübergehende Beschäftigung marokkanischer Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland“. 

Seither sind viele Männer und Frauen aus Marokko nach Deutschland gekommen und haben hier ihre neue Heimat gefunden. Sie leben hier bereits in der dritten und vierten Generation und sind ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft.  

Mit dem deutsch-marokkanischen Anwerbeabkommen bekundete die damalige Bundesregierung die feste Absicht. marokkanische Hilfs- bzw. Facharbeiter in deutschen Betrieben anzulernen, weiterzubilden und zu qualifizieren, um somit einen entwicklungspolitischen Beitrag zum Aufbau des nordafrikanischen Landes beizusteuern. Daher wird dieses Anwerbeabkommen, dessen Unterzeichnung sich nun zum 50ten Mal jährt, nicht selten als  der Beginn einer marokkanischen Einwanderung nach Deutschland verstanden. Tatsächlich aber liegen die Anfänge der marokkanischen Migration nach Deutschland viel weiter zurück.  

Anwerbevereinbarung als Steuerungsinstrument

Lange vor der offiziellen Anwerbung haben bereits viele Marokkanerinnen und Marokkaner in Deutschland Fuß gefasst und in der heimischen Industrie gearbeitet. Über verschiedene Einreisemöglichkeiten sind sie nach Deutschland gekommen und waren hier willkommene Arbeitskräfte. Viele deutsche Bergbaubetriebe sahen in ihnen eine geeignete Möglichkeit, den Rückgang der Unter-Tage-Arbeiter zu stoppen und den entstandenen Bedarf langfristig zu decken – zu Recht, denn die marokkanischen Arbeiterinnen und Arbeiter bewiesen eine gewisse Kontinuität hinsichtlich ihrer Betriebszugehörigkeit.

Im Zuge des allgemeinen Arbeitskräftemangels in Deutschland begangen die marokkanischen Arbeiterinnen und Arbeiter dann ihren Verwandten, Freunden und Stammesangehörigen Arbeitsverträge im Baugewerbe sowie in der Eisen-, Stahl-, Chemie- und Textilindustrie zu vermitteln. Lange vor dem deutsch-marokkanischen Anwerbeabkommen entstand somit die ersten größeren marokkanischen „Gastarbeiter-Communities“ in Deutschland. Ihre rechtliche und gesellschaftliche Einordnung suchte die damalige Bundesregierung in den vertraglichen Bestimmungen des deutsch-marokkanischen Anwerbeabkommens. Sie sollten von vorne herein  die Funktion eines Steuerungsinstruments haben, insbesondere für die bereits einsetzenden Migrationsströmungen marokkanischer Arbeiter nach Deutschland.  

Mit diesem Abkommen wurden hier interessanterweise wenige neue Migrationsprozesse angebahnt. Vielmehr folgte das Abkommen einer längst begründeten Arbeitsmigration aus Marokko. Diese Tatsache verdeutlichte noch einmal die Ausnahmeerscheinung des Anwerbestaates Marokko unter den Anwerbeländern in Deutschland. 

Migration durch Anwerbestopp

Angesichts der Situation auf dem Arbeitsmarkt und der sich abzeichnenden Wirtschafts- und Energiekrise, verhing Deutschland am 23. November 1973 den sogenannten „Anwerbestopp“. Demzufolge konnten auch Marokkanerinnen und Marokkaner nicht mehr zur Arbeitsaufnahme nach Deutschland einreisen!

Viele erkannten, dass durch die Einreisesperre und dem Anwerbestopp die Zeiten, in denen sie zwischen alter und neuer Heimat hin und her pendelten, endgültig vorbei waren. Viele entschieden sich für eine dauerhafte Niederlassung in Deutschland und fürchteten sich zugleich davor von ihren Angehörigen getrennt zu werden. Also begannen sie ihre Familien nachzuholen und begründeten somit die zweite Etappe marokkanischer Einwanderung nach Deutschland, nämlich die der „Familienzusammenführung“. 

Folgen der Anwerbung für Marokko

Die Anwerbung marokkanischer Arbeitskräfte in die europäische Wirtschaft leistete in der Vergangenheit einen entscheidenden Beitrag zur Entschärfung der politischen Verhältnisse in Marokko, das erst im Jahre 1956 von Frankreich und Spanien unabhängig wurde. Aber vor allem ging seither und bis heute ein beachtlicher Teil der marokkanischen Ökonomie, des Bruttoinlandproduktes und der wirtschaftlichen Dynamik auf die marokkanischen Auslandsgemeinschaften zurück.

Die alljährlichen finanziellen Rückführungen der Auslandsmarokkaner haben entscheidend zur wirtschaftlichen Entwicklung Marokkos beigetragen und machen heute noch einen wesentlichen Teil des Staatshaushaltes aus. Allein im Jahre 2008 haben Marokkanerinnen und Marokkaner mehr als 7 Milliarden US-Dollar nach Marokko transferiert. Das ist mehr als das was der marokkanische Staat aus der Förderung des Rohstoffes Phosphat, der bisher staatlichen Haupteinnahmequelle (Marokko ist weltweit Phosphat-Exporteur Nr. 1), aus dem Tourismus oder aus der Landwirtschaft einnimmt.

Marokkaner in Deutschland

Weit mehr als 3 Millionen Menschen marokkanischer Herkunft leben in Europa, das sind etwa 10 % der gesamten marokkanischen Bevölkerung. Die meisten von ihnen haben sich in Europa niedergelassen und stellen, nach den Türken, die zweitgrößte Migrantengruppe in Europa dar. Marokkanerinnen und Marokkaner verzeichnen in Deutschland sehr hohe Einbürgerungsquoten. Die marokkanische Community in Deutschland zählt heute etwa 150.000 Menschen, mehr als 85 % leben in NRW und Hessen und etwa die Hälfte verteilt sich auf ca. zehn Großstädte, wo sie eine relativ große Rolle spielt.

Die Community ist präsent, aktiv, äußerst jung und fest verortet - und sie ist in einem ständigen Wandel. Heute verzeichnet die marokkanische Gemeinde in Deutschland ihre dritte Migrationsetappe, nämlich die der Studenten. Insbesondere für technische Studienfächer ist Deutschland ein beliebtes Einreiseland für marokkanische Studentinnen und Studenten geworden. Nach Angaben des Ministeriums für die im Ausland lebenden Marokkaner in Rabat leben bereits ca. 10.000 marokkanische Studenten in Deutschland.

Diese studentische Migrationsstörung aus Marokko verändert die marokkanische Community in Deutschland maßgeblich und nachhaltig. Sie hebt den Bildungs- und Leistungsstand der Community entscheidend und löst eine innermarokkanische Bildungsdynamik, von der insbesondere Marokkanerinnen und Marokkaner der dritten und vierten Generation stark profitieren können.

Samy Charchira (AGB e.V.)

© Migranten in der Union Vielfalt & Werte 2017 Erstellt mit dem CDU-Baukasten unter Joomla! Ein Service der VANAMELAND