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50 Jahre Koreaner in Deutschland – Eine lautlose und unsichtbare Minderheit feiert ihr Jubiläum

1503700 10153556444180567 1059595491 nHeute am 16. Dezember 2013 jährt sich das 50-jährige Jubiläum des deutsch-koreanischen Anwerbeabkommens. Das „Programm zur vorübergehenden Beschäftigung koreanischer Bergarbeiter im westdeutschen Steinkohlenbergbau“ legte den Grundstein für eine intensive koreanische Migration nach Deutschland. Das Interesse im Land meiner Eltern ist enorm. Bereits zwei prominente koreanische Fernsehsender (KBS und MBC) kamen nach Deutschland um Dokumentarfilme über das Ereignis zu filmen, die zur besten Sendezeit ausgestrahlt wurden. Selbst die einflussreichen Tageszeitungen wie Chosun oder JoongAng Ilbo berichteten. Das koreanische Nationalmuseum für Geschichte widmete eine Sektion für die ehemaligen Krankenschwester und Bergarbeiter um diesen Teil ihrer Geschichte niemals zu vergessen. Das Goethe Institut in Seoul organisierte ein Symposium mit dem Titel „Von der stillen Migration zur multikulturellen Gesellschaft“ zu der ich eingeladen wurde einen Vortrag zu halten. Unter den Referenten war die koreanische Parlamentariern mit philippinischen Wurzeln Jasmine Lee und auch der ehemalige koreanische Bergarbeiter, Kwon Yi-chong, der nach seiner Tätigkeit Untertage Professor wurde und den Verein der nach Deutschland entsandten Bergleute und Krankenschwestern gründete.

1481157 10153556444185567 1306571589 nDie Besonderheit der „stillen“ Migration lag darin, dass die Anwerbepolitik der Bundesregierung sich eigentlich gezielt auf südeuropäische und damit kulturell nahe „Gastarbeiter“ aus dem Mittelmeerraum richtete. Die Bundesregierung scheute sich vor dem hohen finanziellen Aufwand der koreanischen Praktikanten, sowie der großen kulturellen Differenzen und lehnte demzufolge eine Entsendung ab. Obwohl die Bundesregierung zwischen 1957 und 1965 rund 436 japanische Bergarbeiter beschäftigte. Es war schließlich der Druck der Bergbauindustrie, die händeringend nach Arbeitskräften  suchte. So wurde aus der anfänglichen politischen Ablehnung eine wirtschaftliche Akzeptanz.

Das Programm zur vorübergehenden Beschäftigung koreanischer Bergarbeiter im westdeutschen Steinkohlenbergbau aus dem Jahr 1963 umfasst 21 Artikel, die die Anwerbung koreanischer Bergarbeiter streng reglementierte. Gleich in Artikel 1 wird das Ziel der Anwerbung erklärt, nämlich „die beruflichen Kenntnisse der koreanischen Bergarbeiter zu erweitern und zu vervollkommnen“. Diese Regelung kommt den Koreanern im Jahr der Ölkrise (1973) und den Anwerbestopp von Migranten zu Gute. Denn die Anwerbung koreanischer Bergarbeiter wurde als „technische Entwicklungshilfe“ eingestuft.

Der damalige Arbeitsminister, Walter Arendt (SPD), selber Sohn eines Bergarbeiters, hält an der weiteren Anwerbung von koreanischen Bergarbeitern mit der Begründung fest, dass er sie wegen der „entwicklungspolitischen Zielsetzung […] für vertretbar hält“.

1501990 10153556444190567 1380459278 nSein Nachfolger, Herbert Ehrenberg (SPD) hingegen befürchtete, dass die Zulassung von weiteren koreanischen Bergarbeitern den Anwerbestopp aufweichen könnte und „sich andere Wirtschaftsbereiche, in denen ebenfalls personelle Engpässe auftreten, auf die Zulassung von Koreanern für den Bergbau berufen könnten mit der Folge, dass der Anwerbestopp in nicht vertretbarer Weise unterlaufen würde“.

Doch der mächtige Bergbaukonzern, die Ruhrkohle AG setzt sich mit seiner Forderung durch weitere koreanische Bergarbeiter anzuwerben. Im zweiten Programm über die Beschäftigung koreanischer Bergarbeiter, vom 18. Februar 1970, wurde festgelegt, dass „bis zu 2.000“ neue Kumpel eingestellt werden können. Die Ruhrkohle AG begründete ihre Forderung damit, dass die koreanischen Bergarbeiter:  „ausschließlich für den Kohlenabbau in steilgelagerten Flözen eingesetzt werden. Wegen der dort noch überwiegend vorherrschenden Handarbeit und der geringen Flözmächtigkeiten sind besonders handwerkliche Befähigungen und eine erhöhte körperliche Wendigkeit unabdingbare Eignungsvoraussetzungen. Diese zur Sicherung des Betriebsablaufs und zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit unserer Schachtanlage Ewald unbedingt erforderlichen Arbeitskräfte sind leider vom heimischen Arbeitsmarkt nicht zu bekommen“. Im Oktober 1974 fordert der Gesamtverband des deutschen Steinkohlebergbaus, die „festgesetzte Zahl von 2.000 koreanischen Bergarbeitern“ vorübergehend „geringfügig“ zu überschreiten. Dieser Forderung kommt die Bundesregierung nach.

Ein Jahr zuvor, im Januar 1973 wird der koreanische Bergarbeiter Chung Kyung-sup grubenuntauglich. Chung wird von seinem Arbeitgeber, der Bergbauverein EBV, fristlos gekündigt, mit der Begründung, dass die vereinbarte Tätigkeit, ausschließlich auf eine Beschäftigung Untertage beschränkt war. Die „Grubenuntauglichkeit“ wurde bei Vertragsabschluss nicht berücksichtigt. Der SPD-Politiker Hermann Dürr erwirkt durch sein Engagement, dass koreanische Bergarbeiter, die innerhalb ihres dreijährigen Arbeitsvertrages „grubenuntauglich“ werden, eine Tätigkeit „Übertage“ annehmen dürfen.

Vier Jahre später, im Mai 1977, 14 Jahre nach Abschluss des ersten Anwerbeabkommens kommt der Arbeitsminister auf die Idee, die Reintegration heimkehrender koreanischer Bergarbeiter zu hinterfragen. Die Zahlen liefert ihm der KODCO-Präsident Dr. Suh In-soo und die sind alles andere als erfreulich. Von den 3.920 zurückgekehrten koreanischen arbeiteten nur noch 260 Personen weiter im Bergbau. Die restlichen 3.660 haben sich mit den DM-Ersparnissen in Korea selbständig gemacht z.B. als Taxifahrer mit eigenem PKW oder als Inhaber eines Geschäftes.

Das Ziel der „technischen Entwicklungshilfe“ und „die beruflichen Kenntnisse der koreanischen Bergarbeiter zu erweitern und zu vervollkommnen“ wurde gänzlich verfehlt.


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